Discounter

Discounter Mode: wie werden Kleidungsstücke überhaupt erst so günstig?

DiscounterDiscounter Mode gibt es unter anderem von Zara, H&M, Kik und Primark, aber auch viele andere Namen haben den Sprung wortwörtlich in den Discounter gewagt: beispielsweise Karl Lagerfeld oder David Beckham. Damit etabliert sich weiter ein Trend, den vor allem H&M geprägt hat. Günstige Mode von großen Namen, die ergänzend zur günstigen Mode ohne Namen angeboten wird. Die Unterschiede sind oft gar nicht so gravierend, wie man vermuten könnte.

Bessere Qualität = bessere Produktion? Oft ein Trugschluss!

Wie die Praxis und zahlreiche Reportagen und Berichte unter Beweis stellen, bedeutet ein hoher Preis nicht automatisch, dass die Kleidung selber hochwertiger oder unter besseren Bedingungen hergestellt wurde. Experten sagen dazu sogar, dass Mode nur dann nicht menschenrechtsverletzend produziert wird, wenn es sich nicht um Massenware handelt. Ob diese Massenware nun von einem etablierten Label kommt oder von namenlosen Marken, die später im H&M als Eigenproduktionen landen, mache da keinen Unterschied. Gleich verhält es sich auch mit dem Umweltschutz, denn selbst dieser spielt bei großen Marken kaum eine Rolle. Ein Blick in das kleine Label in der Mode reicht oft schon aus, um so feststellen zu können, dass sich die Herkunftsländer kaum von denen großer Marken unterscheiden. Nicht selten sind es sogar die gleichen Fabriken, wo die unterschiedlichen Stücke am Fließband produziert werden. Der Kunde zahlt dann im Endeffekt vor allem für zwei Dinge: die vermeintlich “besseren” Designs der großen Designer hinter den ebenso großen Marken und das Label selbst, welches die gewünschten positiven Merkmale kommuniziert.

Die beliebte Annahme, hochwertige Kleidung würde automatisch auch länger halten, resultiert in den meisten Fällen sogar aus einem Umschalten im Kopf. Wer für sein Kleidungsstück mehr ausgibt, geht mit diesem automatisch auch schonender um. Mitunter wird es gar nur zu “besonderen” Anlässen oder wenn man ausgehen möchte angezogen. So stellt sich der Trugschluss ein, dass das Kleidungsstück länger hält als ein günstiges Stück, welches viel häufiger getragen und weniger sorgfältig gepflegt wird. Wer außerdem mehr für ein Teil bezahlte, ist eher gewillt über Mängel oder Verschleiß hinwegzusehen – war ja schließlich teuer und muss folglich auch lange halten. Die genutzten Materialien sind im Übrigen oft gleich, außer natürlich bei Stücken, die ganz prägnant auf spezielle Stoffe oder Verarbeitungen hinweisen. Skandale, wie beispielsweise aufgefundene Schadstoffe in einigen Artikeln von Primark, sind eher die Ausnahme. In Deutschland gelten nach wie vor strenge Richtlinien, die auch Discounter einhalten müssen.

Ob Mode fair produziert wird, liegt weniger am Preis selber. Eine Recherche des britischen “Guardians” kam beispielsweise zu dem Schluss, dass eine Hose im niedrigen Preissegment lediglich 19 Cent mehr kosten müsste, um den Mindestlohn in den produzierenden Ländern zu erreichen. Selbst Discounter und Marken im mittleren Preissegment können also problemlos für adäquate und faire Arbeitsbedingungen sorgen, wenn sie denn dazu gewillt sind. Im Gegenzug lohnt sich immer ein Blick in die Etiketten. Marken, die in europäischen Ländern produzieren, müssen zumindest die hier geltenden hohen Standards zum Arbeitsrecht einhalten. An der typischen Fließbandarbeit in den Produktionshallen ändert das freilich aber nichts.